Sonnenaufgang am Strand. Foto: Caroline Pfannschmidt

 
Mensa Youth

Baden, Brettspiele, Berge, Bier

250 Jung-Ms trafen sich zehn Tage zum MY-Camp 2019 in Barcelona

Von Caroline Pfannschmidt

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal beim internationalen MY-Camp dabei und ich kann nur sagen, es war einfach phantastisch! Ich hatte davor natürlich schon Vorfreude, aber jegliche Erwartungen wurden um Längen übertroffen. Rund 250 junge Ms aus ganz Europa (und vereinzelt sogar aus Australien oder China!) kamen für zehn Tage nach Barcelona, um gemeinsam eine unvergessliche Zeit zu erleben.

Das Camp hat für jeden eine andere und ganz persönliche Bedeutung. Manche bleiben die komplette Zeit im Hostel, um am Pool zu chillen und Karten zu spielen; andere planen für jeden Tag einen Trip in die Stadt und die Umgebung; manche genießen es, überall voll dabei und mittendrin zu sein; andere mögen es eher, in ruhiger Gesellschaft ein Buch zu lesen und sich zu unterhalten. Jeder konnte das Camp zu dem zu machen, was ihm gefällt – und das war großartig. Es ist unmöglich, es in seiner Gesamtheit zu beschreiben. Dennoch wage ich den Versuch, zumindest einen kleinen Eindruck zu vermitteln.

MY-Games, Beerpong, Morgensport

Zuerst einmal gab es jede Menge verschiedene Aktivitäten, die die Camp-Teilnehmer selbst anboten. Da waren die großen Veranstaltungen wie die MY-Games (eine Art Olympiade), Beerpong-Turnier, Karaokenight und Pokerabend. Aber es gab auch viele kleine Sachen wie zum Beispiel Meditation, Morgensport, eine Einführung in Kartentricks, Powerpoint-Karaoke oder sich gegenseitig beizubringen, wie man in verschiedenen Sprachen flucht. Wer Lust auf Gesellschaftsspiele hatte, fand immer Mitspieler und es gab ein über mehrere Tage und Runden ausgetragenes Schach- und ein Codenames-Turnier. Daneben gab es viel Spontanes und gerade abends fanden sich gerne Grüppchen zusammen, die zur Gitarre gesungen haben.

Nerdschutzgebiet mit Palmen. Foto: Jan Riedinger

Wem das alles zuviel wurde, der konnte sich in eine der vielen ruhigeren Ecken des Geländes zurückziehen und tiefgehende Gespräche führen oder im „Beach“ (ein Raum mit auf dem Boden liegenden Matratzen) kuscheln. Überhaupt sind alle sehr kuschelig unterwegs und umarmen auch gerne einfach andere Menschen, wenn sie sie sehen. Daher gab es ein Ampelsystem, bei dem man mit roten, gelben oder grünen Klebepunkten auf dem Shirt ausdrücken konnte, wie kuschel- und umarmungsaffin man ist.

Viel Action innerhalb und außerhalb des Camps

Wir waren in einem Hostel, das über einen Pool verfügte, der angenehme Abkühlung von der Sommerhitze Spaniens verschaffte. Manche Teilnehmer hatten große Aufblastiere mitgebracht, darunter ein Einhorn und ein Flamingo – Tests ergaben, dass man darauf zu viert sitzen kann. Es wurde oft Wasserball gespielt, gerne auch mit einem großen Gymnastikball! Und einige Spiele der MY-Games fanden ebenfalls im Pool statt.

Ein Highlight war die Bar, die jeden Abend viele durstige Ms mit kreativen und leckeren Cocktails zu günstigen Preisen versorgte und sich für jeden Tag ein anderes Special ausdachte. An einem Abend gab es zum Beispiel verschiedene Variationen des beliebten Drinks „Piña Colada“ und man konnte diesen auch in einer ausgehöhlten Ananas serviert bekommen. Die Barmitarbeiter waren super engagiert und fingen meistens schon nachmittags an, den Sirup für den Abend zu kochen und eine liebevoll gestaltete Tageskarte zu schreiben.

Zu Gast in einer spannenden Stadt

Da im Camp so viel los war, wollte man dort am liebsten gar nicht weg. Aber gleichzeitig waren wir ja auch in einer sehr spannenden Stadt. Barcelona ist extrem vielseitig: Für Kulturinteressierte gibt es viele Museen und die Bauwerke von Antoni Gaudí, die das Stadtbild so unverwechselbar prägen – neben den in der Stadt verteilten Häusern natürlich die ikonische Basilika Sagrada Familia. Sportlich Ambitionierte können sowohl verschiedene Wassersportangebote nutzen als auch wandern gehen. Und von den typisch spanischen Tapas hat bestimmt jeder schon mal gehört: Das sind kleine Vorspeisen, oft mit Fleisch, von denen man als Gruppe meist mehrere bestellt und sich dann teilt.

Von Campteilnehmern wurden einige Trips organisiert, zum Beispiel eine kleine Wanderung (eineinhalb Stunden) zum Berg Tibidabo, von dem aus man eine tolle Aussicht über Barcelona bis hin zum Meer hat, oder einen größeren Tagesausflug zum im Hinterland gelegenen Bergkloster Montserrat. Meistens fanden sich aber spontan kleine Gruppen von Leuten zusammen, die hinunter in die Stadt fuhren und zum Beispiel an den Strand oder abends essen gingen. Ich erinnere mich sehr gerne an einen Abend, an dem wir uns in einem Restaurant durch die halbe Tapaskarte gefuttert haben – und das war nur der Auftakt.

Straßenfest in Gracia. Foto: Lars Nebenführ

Wir waren danach noch auf einem Straßenfest im Stadtteil Gràcia, wo wir ein großes Feuerwerk mitten in einer Menschenmenge erlebten, zogen anschließend durch die nächtliche Stadt und badeten nachts am Strand (der tagsüber immer brechend voll war, nachts aber herrlich leer), wo wir am Ende noch den Sonnenaufgang über dem Meer beobachteten.

Party mit Kopfhörern

Den Abschluss des Camps bildete eine „Silent Party“ mit Kostümen. Das Motto für die Verkleidungen war „Fictional Universes“, was eine große Freiheit ließ und viele phantasievolle Kostüme hervorbrachte, von denen ich begeistert war. Vom Konzept der „Silent Party“ hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört und war zuerst skeptisch, aber ich durfte herausfinden, wie genial es ist: Jeder Mensch hat einen Kopfhörer, an dem er selbst die Lautstärke und – das ist der Clou – drei verschiedene Musikkanäle einstellen kann.

Je nachdem, welchen Kanal er gewählt hat, leuchten seine Kopfhörer dann blau, rot oder grün. Für den blauen Kanal hatten wir einen DJ (ein Teilnehmer, der das schon lange macht), der Discomusik spielte. Auf den beiden anderen Kanälen liefen YouTube-Playlists von anderen Teilnehmern: Auf Rot spanische Tanzmusik (Bachata und Co.) und auf Grün Techno. Es war cool zu sehen, wie sich Leute zu verschiedener Musik so unterschiedlich bewegten, und man konnte sich immer eine Gruppe mit in gleicher Farbe leuchtenden Kopfhörern zum Tanzen suchen oder aber, noch lustiger, einfach jeder zu seiner eigenen Musik tanzen. Und wenn das aktuelle Lied grad nicht so gefiel, mal fix in die anderen Kanäle zappen.

Angenehm an dem Konzept war auch, dass jeder seine eigene Lautstärke regulieren konnte und man, wenn man die Kopfhörer abnahm, sich ohne zu schreien unterhalten konnte. Ich bin jedenfalls absolut überzeugt von dieser coolen Art, Party zu machen, und viele andere waren es auch. Vielleicht gibt es das also auf kommenden Camps wieder!

Ich freue mich schon sehr auf das nächste Camp, das 2020 in Polen stattfinden wird!